Symptome

Gibt es Reflux ohne Sodbrennen?

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Eine Refluxerkrankung ist auch ohne Sodbrennen möglich. In bis zu 50 % der Fälle kann es zu einem „Stillen Reflux“ kommen. Dann können unspezifische Beschwerden wie Heiserkeit, Räusperzwang, Kloß- und Verschleimungsgefühl, Schluckstörungen sowie trockener Reizhusten entstehen. Die Magensäure tritt hierbei als Mischung aus Gas und Flüssigkeit (Aerosol) aus der Speiseröhre aus. Durch die Säure kann sich die Schleimhaut von Rachen und Kehlkopf entzünden. Der „Stille Reflux“ wird auch als laryngopharyngealer Reflus (LPR) bezeichnet. Die Diagnosefindung wird durch die allgemeinen Symptome oftmals erschwert [1].


Welche Symptome kann ein „Stiller Reflux“ haben?

Die Magensäure, die als Aerosol in den Rachen und Kehlkopf gelangt, verursacht chronisch-entzündliche Veränderungen der Schleimhaut. Sehr oft verstärken die Beschwerden sich im Liegen.

Ein weitverbreitetes Symptom ist Reizhusten und ein Kloßgefühl im Rachen. Die Magensäure kann in Luftröhre und Bronchien gelangen und hier Entzündungen verursachen. Durch die Entzündung der Schleimhaut können Beschwerden entstehen, die einer Bronchitis ähnlich sind. Die asthmatischen Symptome, die entstehen können, werden als Refluxasthma bezeichnet. Eine lang andauernde Schädigung kann auch irreversible Veränderungen wie den Umbau des Lungengewebes in Bindegewebe auslösen [2][3].

Ein zu saures Milieu im Rachen kann andere chronische Erkrankungen verursachen. Wiederkehrende Polypen bei Kindern können auf einen „Stillen Reflux“ zurückzuführen sein. Auch chronische Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis) oder chronische Mittelohrentzündungen (Otitis media) sind Folgen eines Refluxes. Diese Erkrankungen werden einerseits durch die entzündliche Schwellung der Nasen-Rachen-Schleimhaut begünstigt. Andrerseits können sie auch direkt durch den Rückfluss der Magensäure verursacht werden. Die Magensäure kann über die Verbindung des Ohres in den Rachen bis in das Mittelohr gelangen. Der Nachweis von Magensäure im Ohr wurde bereits laborchemisch erbracht [3][4].

Heiserkeit und Schluckstörungen sind Symptome eines "Stillen Refluxes". Diese können durch hartnäckige Schwellungen der Stimmlippen entstehen. Auch Stimmlippenpolypen können auf eine chronische Schädigung durch einen erhöhten Säuregrad zurückführen sein [4].

Der Rückfluss von Magensäure kann zudem den pH-Wert im Mundraum beeinflussen. Es kann zu Mundgeruch, Zungenbelag, Brennen im Mundraum, Zahnfleischentzündung und Zahnschäden kommen [3][5].

Wie wird die Diagnose gestellt?

Der Arzt wird meist mit einer ausführlichen Befragung zur Krankengeschichte und dabei besonders zu Medikamenten und Ernährungsgewohnheiten beginnen. Danach wird eine Untersuchung des Hals-Nasen-Rachenraums und insbesondere des Kehlkopfes mit Hilfe einer kleinen Kamera (Endoskop) durchgeführt. Diese Untersuchung erfolgt bei geöffnetem Mund oder alternativ über die betäubte Nase.

Eine andere Methode zur Diagnosestellung ist die pH-Metrie. Diese ist allerdings für den Patienten belastender. Dazu wird ein dünner Schlauch über die Nase bis in den Magen eingeführt. Der Säuregrad kann gezielt in den betroffenen Bereichen gemessen werden. Die Position des Schlauches wird wiederum über eine kleine Kamera kontrolliert.

Weitere Untersuchungen zur Sicherung der Diagnose sind eine Magenspiegelung oder Druckmessungen in der Speiseröhre. Ein Nachweis von Galle (Bilirubin-Test) in der Speiseröhre ist ebenfalls eine Methode, um eine Rückflusserkrankung zu diagnostizieren [2][4].

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Wenn am Kehlkopf Entzündungszeichen gefunden wurden, so können Medikamente zur Magensäurereduktion (Protonenpumpenhemmer, PPI) gegeben werden. Diese Arzneimittel können jedoch auch unerwünschte Nebenwirkungen wie eine Zunahme der Säureproduktion und damit auch der Beschwerden haben.

Abgesehen von der medikamentösen Therapie ist die Einhaltung bestimmter Ernährungsrichtlinien eine wichtige Maßnahme. Dazu gehört die Vermeidung scharfer Gewürze. Sehr heiße oder fettige Speisen sollten Patienten vom Speiseplan streichen. Kaffee, Alkohol und Nikotin sind nur in Maßen zu genießen. Zucker, insbesondere in Form von Schokolade und Gegrilltes beeinflussen die Beschwerden negativ. Zusätzlich hat es sich bewährt, nach 18 Uhr keine Mahlzeiten mehr einzunehmen. Mehrere kleinere Mahlzeiten sind gegenüber wenigen großen zu bevorzugen.

Unzureichende Flüssigkeitsaufnahme und übermäßige Stimmbelastung können die Symptome verschlechtern.

Da sich die Beschwerden im Liegen meist verschlechtern, kann eine Anpassung der Schlafposition günstig sein. Das Hochstellen des Kopfteiles des Bettes um etwa 15 Grad kann zu einer Verbesserung des Beschwerdebildes führen.

Sollten die konservativen Behandlungsmethoden nicht erfolgreich sein, kann eine Operation erwogen werden. Ein solcher Eingriff muss jedoch individuell beurteilt werden [3].