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Schulmedizin

H2 Blocker gegen Refluxkrankheit

Steckbrief zum Präparat

Verschreibungspflichtig
Wirkstoffklasse
Histaminrezeptorantagonisten
Darreichungsform
Filmtabletten
Hauptwirkung
Leichte Hemmung der Magensäurebildung
Kann bei den Beschwerden helfen
Ja
Für Kinder geeignet
Nein – H2-Blocker kommen für Kinder heute praktisch nicht mehr infrage; Entscheidung nur durch den Kinderarzt.
Für Schwangere geeignet
Ja, nach Nutzen/Risiko-Abwägung [7].
Für Stillende geeignet
Ja, nach Nutzen/Risiko-Abwägung [7].
Wichtiger Hinweis (Stand 2026): Der jahrzehntelang meistverwendete H2-Blocker Ranitidin ist seit 2020 EU-weit nicht mehr im Handel, nachdem Verunreinigungen mit dem als wahrscheinlich krebserregend eingestuften Stoff NDMA festgestellt wurden (Ruhen der Zulassungen auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur, April 2020). Als H2-Blocker steht in Deutschland heute vor allem Famotidin (verschreibungspflichtig) zur Verfügung. Die Angaben in diesem Artikel beziehen sich auf die weiterhin verfügbaren Wirkstoffe.

H2-Blocker waren die ersten Hemmstoffe der Magensäuresekretion, die bei Refluxbeschwerden effektive Abhilfe schaffen konnten. Sie wurden Ende der siebziger Jahre erstmals bei Patienten mit Säurerückfluss-Beschwerden eingesetzt [5]. Cimetidin war der erste Wirkstoff aus dieser Klasse. Mit der Zeit kamen andere Arzneimittel wie Famotidin oder Ranitidin auf den Markt. Ärzte verordnen H2-Blocker bei leichten und gelegentlichen Refluxbeschwerden (gastroösophageale Refluxkrankheit) ohne säurebedingte Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis) [1]. Auch eignen sich die Medikamente dieser Wirkstoffklasse zur vorbeugenden Einnahme [6].

Wann ist die Einnahme von H2-Blockern gegen Refluxkrankheit sinnvoll?

H2-Blocker wirken generell gut gegen die Refluxsymptomatik und vermindern den Säurerückfluss [3]. Eine positive Wirkung auf Geschwüre und andere Schleimhautschädigungen ist allerdings nur bei 50 Prozent der Patienten nachweisbar [3][5]. Heutzutage sind H2-Blocker aufgrund des Vorhandenseins der effektiveren Protonenpumpenhemmer (z. B. Omeprazol, Pantoprazol) nur Mittel der zweiten Wahl. Im Vergleich zu Protonenpumpenhemmern [1] bewirken sie eine schwächere Unterdrückung der Säuresekretion. Doch besonders bei Unverträglichkeiten oder starken Nebenwirkungen von Protonenpumpenhemmern ist die Gabe von H2-Blockern eine gute Alternative. Dies gilt auch, wenn Medikamente eingenommen werden, die eine gleichzeitige Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren nicht zulassen.

Wann sollte auf die Einnahme von H2-Blocker verzichtet werden?

H2-Blocker sollten nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit oder Allergie gegen H2-Blocker vorhanden ist. Bei eingeschränkter Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) muss die Dosierung von Famotidin ärztlich angepasst werden, da der Wirkstoff überwiegend über die Nieren ausgeschieden wird.

Wie und warum helfen H2-Blocker bei Sodbrennen?

H2-Blocker wie Famotidin und Cimetidin blockieren die Histaminrezeptoren vom Typ 2 der Belegzellen, auch Histamin-H2-Rezeptoren genannt. Histamin, das normalerweise von den Mastzellen des Magens abgegeben wird, hat einen verstärkenden Effekt auf die Säurefreisetzung der Belegzellen [2]. Durch die Blockade der Histamin-H2-Rezeptoren mithilfe von H2-Blockern wird diese Histaminstimulation verringert und somit weniger Magensäure produziert. Dadurch bessern sich die Refluxbeschwerden oder können ganz verschwinden. Die nächtliche (basale) Säureproduktion wird durch H2-Blocker weitgehend gehemmt. Die durch Nahrungsaufnahme stimulierte Sekretion wird jedoch nur um etwa die Hälfte gesenkt [5].

Was muss bei der Anwendung und Dosierung beachtet werden?

Die Filmtabletten sollten als Ganzes mit Flüssigkeit (z. B. Wasser) geschluckt und nicht zerkaut oder zerteilt werden. Die übliche Dosis für Famotidin beträgt je nach Ausprägung der Beschwerden 20 bis 40 mg pro Tag; zur Rezidivprophylaxe werden in der Langzeittherapie meist 20 mg täglich eingenommen. H2-Blocker können vor dem Schlafengehen oder nach Mahlzeiten eingenommen werden. Die Tagesdosis erfolgt in einer Einnahme oder wird auf morgens und abends aufgeteilt. Die Anwendungsdauer von H2-Blockern sollte je nach Ausprägung der Beschwerden 4 bis 8 Wochen betragen. Zur Rezidivprophylaxe kommen auch längerfristige Einnahmeperioden infrage. Die konkrete Dosierung sollte der Packungsbeilage bzw. der ärztlichen Verordnung folgen.

Was muss bei Kindern beachtet werden?

Für Kinder stehen H2-Blocker heute praktisch nicht mehr zur Verfügung: Ranitidin, das früher in bestimmten Fällen ab 2 Jahren eingesetzt wurde, ist seit 2020 nicht mehr im Handel. Cimetidin und Famotidin dürfen bei Kindern und Jugendlichen im Wachstumsalter nicht verabreicht werden [8]. Ob und welches säurehemmende Medikament bei Refluxbeschwerden eines Kindes infrage kommt, sollte grundsätzlich der Kinderarzt entscheiden.

Was muss bei Schwangeren beachtet werden?

In bisher durchgeführten Studien zur Anwendung von H2-Blockern (insbesondere Famotidin sowie dem früher gebräuchlichen Ranitidin) während der Schwangerschaft wurde kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko festgestellt [7]. Bei Cimetidin ist die wissenschaftliche Datenlage nicht eindeutig, sodass es in der Schwangerschaft gemieden werden sollte [4][10]. Kommt ein H2-Blocker in der Schwangerschaft infrage, wird heute Famotidin eingesetzt, sofern Antacida (basische Substanzen zur Neutralisation der Säure) nicht ausreichend helfen [7][10]. Die Anwendung von H2-Blockern bei schwangeren Frauen sollte stets auf ärztlichen Rat erfolgen.

Was muss während des Stillens beachtet werden?

Prinzipiell erfordert die Anwendung der H2-Blocker Famotidin und Cimetidin keine Einschränkungen beim Stillen. Famotidin hat den geringsten Übergang in die Muttermilch und sollte deshalb bevorzugt werden [7][10].

Welche Nebenwirkungen und Risiken gibt es bei H2-Blockern?

Gelegentliche Nebenwirkungen (1 bis 10 Behandelte von 1.000):

Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Durchfälle oder Verstopfung, Übelkeit, Leberwertveränderungen und Hautausschlag.

Seltene Nebenwirkungen (1 bis 10 Behandelte von 10.000):

Unscharfes Sehen Verwirrtheitszustände und Halluzinationen (vor allem bei älteren Patienten nach hohen Dosen), akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, Leberentzündung, Gelbsucht (Ikterus), Erythema multiforme (Hautausschlag), Gelenkbeschwerden (Arthralgien), Muskelschmerzen (Myalgien), Erhöhung der Nierenwerte

Weitere Informationen zu Nebenwirkungen sind im Beipackzettel des jeweiligen Medikaments zu finden [1][4][5][6].

Welche Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen gibt es bei H2-Blockern?

Cimetidin hemmt das Leberenzym Cytochrom P450. Durch diese Enzymgruppe werden viele Medikamente abgebaut. Daher wird bei Einnahme von H2-Blockern der Abbau einiger Medikamente verzögert, sodass sie länger im Blut verbleiben und entsprechend stärker wirken können.So wird die Wirkung von Antidiabetika (z. B. Sulfonylharnstoffe) oder Benzodiazepinen verstärkt. Auch der Abbau von Alkohol wird gehemmt, wodurch dessen Wirkung verstärkt wird. Der Konsum von Alkohol bei gleichzeitiger Einnahme von H2-Blockern sollte daher mit großer Vorsicht erfolgen [9].

Weitere Informationen zu Wechselwirkungen sind im Beipackzettel des jeweiligen Medikaments zu finden.

Häufig gestellte Fragen

Ist eine Überdosierung bei H2-Blockern möglich?

Ja, eine Überdosierung sollte stets vermieden werden. Bei starker Überdosierung sollte ein Arzt konsultiert werden.

Was sind die Grenzwerte bei der Einnahme von H2-Blockern?

Famotidin bis 40 mg täglich (höhere Dosierungen nur nach ärztlicher Verordnung), Cimetidin bis 1000 mg (unter ärztlicher Aufsicht). Der frühere Standard-Wirkstoff Ranitidin ist seit 2020 nicht mehr im Handel.

Beeinflussen H2-Blocker die Verkehrstüchtigkeit?

Eine weitverbreitete Nebenwirkung von H2-Blockern ist die auftretende Müdigkeit, die sich ungünstig im Straßenverkehr auswirken kann. Daher ist beim Führen von Fahrzeugen Vorsicht geboten.

Beeinflusst Alkohol die Wirkung von H2-Blockern?

H2-Blocker und Alkohol werden größtenteils durch verschiedene Enzyme abgebaut. Daher wird die Wirkung von H2-Blockern nicht durch Alkohol beeinflusst.

Beeinflussen H2-Blocker die Wirkung von Alkohol?

H2-Blocker können die Alkoholwirkung erhöhen, weil der Alkoholabbau vermindert wird. Deshalb sollten Alkoholkonsum und gleichzeitige H2-Blocker-Einnahme gemieden werden.

Einnahme 1x vergessen – jetzt doppelte Dosis nehmen?

Keinesfalls sollte bei einer vergessenen Einnahme die doppelte Dosis eingenommen werden.

Kann man mit H2-Blockern auch vorbeugen oder nur im akuten Zustand behandeln?

H2-Blocker eignen sich sowohl zur Vorbeugung wie auch zur Behandlung der Refluxbeschwerden.

Wie sollte man H2-Blocker lagern?

Keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

Wie lange sind die Medikamente normalerweise haltbar? Können H2-Blocker ablaufen?

Ein Verfallsdatum ist auf der Packung angegeben. Nach diesem Datum sollte die Arznei nicht mehr angewendet werden.

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